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koku-Interview

 

Hallo Johannes,

schön dass Du koku etwas über dich erzählen willst. Lass uns als erstes über dein Titelbild sprechen. Wie heißt es und hat der Name des Bildes eine besondere Bedeutung?

BERGE DER SEHNSUCHT

Rosig schimmernd führt der Pfad
dorthin, wo alles Sehnen sich vereinigt,
dorthin, wo alles Wünschen sich von selber reinigt,
und uns ein Ort des Friedens ist bewahrt.

Dieses Bild ist gleichsam eine Einladung an den Betrachter, einen Weg ins Bild hinein zu wagen, der verheißungs- und geheimnisvoll zugleich, vielleicht unbekannte Seelenlandschaften erschließt.

In welcher Technik ist das Bild entstanden?

Wachskreide auf Papier.

 
Gibt es eine Geschichte zum Bild?

Nein – ich war wohl gerade in der passenden Stimmung. Der Text dazu fiel mir erst Jahre später ein.

 
Wie heißt das zweite Bild, das Du für das Interview ausgewählt hast?

HOMO BEATUS 
Magst Du darüber auch etwas erzählen?

Einfach leben! Wirklich leben!

Gott befreie uns von dem Wahn,
alles wissen, alles können, alles machen zu wollen.

Haben wir den Mut, einfach zu leben, einander zu achten, füreinander da zu sein und zufrieden miteinander zu leben!

Als Gottes Ebenbild sind wir Menschen nackt. Nackt werden wir geboren, nackt kehren wir zu ihm zurück.
Wir bekleiden uns, um uns vor Kälte oder Hitze zu schützen, und achten darauf darin zu gefallen. Aber wir umhüllen uns auch mit ordengeschmückten Ornaten und bekränzen uns mit vergoldetem Lorbeer, um uns vor den Anderen zu überhöhen. So aber spüren wir das wirkliche Leben nicht mehr, nicht die Nähe der Anderen, nicht die Nähe Gottes. 

Dieses Bild wurde für den Zyklus "Mensch sein, was ist das?" unter dem Eindruck des Terroranschlages 9/11 auf das World-Trade-Center in New-York gemalt. Es ist eines von 10 Bildern weiterer Künstler der Gruppe "Tölzer-ART". Der Zyklus wurde in der Wandelhalle in Bad Tölz, im Klosterkreuzgang Benediktbeuern (wo die Bilder entstanden sind), in der Klosterbasilika St. Blasien (Schwarzwald), in San. Guiliano-Terme (Italien), und an vielen anderen Orten in ganz Deutschland ausgestellt. Dazu fanden Führungen statt, vor allem mit Schulklassen jeden Alters, bei denen die Teilnehmer intensiv über die Aussagen der verschiedenen Bilder diskutieren konnten.

Möchtest Du etwas über dich erzählen?

Ja – natürlich.

1934 in München geboren, schon als Kind gemalt, gepatzt, gezeichnet; als "Schriftkundiger" auch gedichtet, wenn die "Pflicht" in Schule, und später in Beruf oder Familie schöpferische Momente zuließ. Ein Studium zum Heizungsingenieur geschmissen, Graphischer-Zeichner gelernt und als Werbegrafiker tätig, zum Familienunterhalt diplomierter Beamter in Bayern geworden, und vor 6 Jahren Frau und Tochter zuliebe zur Enkelbetreuung nach Österreich umgesiedelt.

Als Walter Johannes Löffler geboren, erhielt ich 1943 den Namen Dierl von meinem Ziehvater. Als Maler nenne ich mich nach meiner Herkunft jo.L (Johannes Löffler). Frei aufgewachsen, und zu kritischem Beurteilen erzogen, male ich total frei; weder mit, noch gegen den Trend, sondern frei von jeglichem Trend. Meine Bilder dürfen zum Nachdenken anregen, und sind an keiner Stilrichtung orientiert. Künstler wandeln durch Träume und verweben Träume in ihren Werken zu etwas Wirklichem - Kunst ist Fantasie und Wirklichkeit in Einem.

Wie bist du zur Kunst gekommen? Gibt es eine Geschichte dazu?

Wenn ich zurückdenke, hat mich Kunst von Anfang an begleitet, die Kunst ist sozusagen zu mir gekommen. Eine meiner ersten Zeichnungen war – wie mir erzählt wurde – die detailgenaue Wiedergabe eines Balkongeländers im Müller'schen Volksbad in München. Meine Mutter hatte mich zum Baden mitgenommen und ich durfte als "Mann" nicht ins Bad selbst, aber bis zu den Umkleidekabinen. Diese befanden sich ein Stockwerk über dem Schwimmbecken. Ich saß vor der Kabine und schaute durch eben dieses Geländer hinunter zu den Badenden. Diese Zeichnung ist abhanden gekommen; dafür habe ich meine erste Karikatur noch so gut im Kopf, daß ich sie hier einfüge. Ich hatte den britischen Außenminister Chamberlain bei seinem Besuch in München anlässlich der Verhandlungen zum Münchener Abkommen – sehr symbolhaft – gezeichnet.

Wo entstanden deine Werke?

Die frühen Zeichnungen, Linolschnitte und Kreidemalereien machte ich in der Kunstschule, auf dem Küchentisch, im Firmenatelier, und später auch in der eigenen Werkstatt, einige vor Publikum auf den Tölzer Rosentagen oder im Klosterkreuzgang Benediktbeuern. Jetzt aber nur noch in der Werkstatt.

Werkstattansicht




Hast Du Vorbilder in der Kunst? 

Meine liebsten Maler: Michelangelo; Botticelli: Leonardo da Vinci.
Meine liebsten Dichter: Friedrich Schiller; Heinrich Geissler; Eugen Roth.
Meine liebsten Komponisten: Mozart; Puccini; Lehar;  

 

Was ist dir wichtig?

Ich möchte meine Bilder nicht erklären müssen. Was der Betrachter hineindenkt, ist sein Erlebnis. Wenn mir – meistens im Nachhinein – ein Titel oder begleitender Text einfällt, so ist das meine Beigabe, aber keine Deutung.

Haus am Bach in Niederbayern;

es könnte auch irgendwo in Österreich oder oder sonst wo stehen

 Madonna mit Jesus:1957

entstand als Schularbeit während meiner Fortbildung an der Blocherer-Schule in München.

Eine Sammlerin von Madonnenbildern meinte, es sei das einzige, ihr bekannte Madonnenbild, auf dem sich Mutter und Kind liebkosen. Als ich es in Linol schnitt dachte ich ganz sicher nur an die von meiner Mutter erfahrene Zuneigung, und hätte mir auch eine andere Darstellung gar nicht vorstellen können.

Meine Nachschau unter Google ergab; tatsächlich fast nur Präsentation
des Jesusknaben, selten angedeutete Liebkosung durch die Mutter oder vom Jesusknaben.

Wie bist Du zu koku gekommen?

Ich habe wieder einmal in "Maygall" gestöbert, habe ein paar Bilder favorisiert, und erhielt eine Einladung zur koku-Gruppe. 

 
Wirst du beim koku-Fest am 21. und 22. April 2012 persönlich anwesend sein oder rein virtuell?

Ich bin ja eigentlich schon da, nur körperlich noch abwesend.  

 
Wie entstehen deine Motive?

Das ist ganz verschieden – ich will versuchen, das an diesen Bildern zu erklären.

Das war mein erstes Bild mit Wachskreiden gemalt. Ich mühte mich mit der Technik ab, und es wurde auch nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte.

Aber es ist unter der Hand etwas geworden, wozu mir später ein recht merkwürdiger Text einfiel, und zwar der:
Erdme.
Erweckung der Erdme – die Adam gebar, gezeugt mit dem Verlangen nach Ordnung im Chaos – und die Eva gebar, gezeugt mit der Erkenntnis, die Strenge der Ordnung zu besänftigen. 

Das ist die Art, wo aus der Beschäftigung mit dem Sujet etwas entsteht worüber man sich selbst wundern kann.

Das Marienstift in Bad Tölz, gesehen von der anderen Flußseite.

Und das ist die Art, wo jemand ein Bild haben wollte, das in der Eingangshalle eines Altersheimes an die Ansicht des historischen "Mutterhauses" erinnern soll. Das Motiv als solches war also vorgegeben. 

In Bad Tölz wohnte ich die letzten 20 Jahre vor der Übersiedlung nach Österreich.

Und dieses Bild – Kaufinger Straße in München 1960 ist ein Erinnern an das Flair dieser Straßenflucht, als diese von geschäftigem Treiben belebt, aber noch keine bedrängende Kommerzmeile war. Ein Erinnern an die menschlich anrührende Urbanität der Stadt meiner Kindheit und Jugend.

Hast du ein Projekt, das dir besonders wichtig ist?

Gegenwärtig ist mir das Projekt "koku" wichtig. Da ich derzeit vorwiegend von den Enkelchen beansprucht werde, bleibt kaum Zeit, meine Teilnahme an koku in Ruhe vorzubereiten.

 
Was erwartest du von koku?

Leute treffen, die an Kunst interessiert sind, denen meine Bilder nicht nur gefallen, sondern das eine oder andere auch erwerben. Und vielleicht finden manche meine "literarischen Ergüsse" so ansprechend, daß sie sich diese als Büchlein gebunden zum Nach- Weiter- und Zuende-Lesen mit nach Hause nehmen möchten; es soll ja noch Wunder geben.

 
Was bedeutet Kunst für dich persönlich?

Kunst ist Traum und Wirklichkeit in Einem. Die Fantasien der Träume werden mit dem geschaffenen Werk Wirklichkeit. Malen ist für mich keine Entspannung, im Gegenteil steigt die Anstrengung an bis zu jenem Punkt, wo mir das Bild sagt, du kannst aufhören, ich bin fertig!

Dieses Bild Urkraft ist so eines.    

Oder das: Rot küsst Blau.

Was planst du in der Zukunft?


Ich möchte auch meine "literarischen Ergüsse" ordnen, vielleicht noch etwas dazu schreiben und dann veröffentlichen; z.B. das:

Denkst du, die Zeit verrinnt?

Und wenn sie's tut

gibt's einen Lauf

einen Bach

einen Fluss

einen Strom

und ein Meer

und ein Blatt

das der Wind

vom Baume geweht

und vom Bach

vom Fluss

vom Strom

bis auf's Meer hinausgetragen

auf Wellen schaukelnd

sein Schicksal mit sich trägt

und ohne Kurs

seinem Ziele bestimmt

auf neuem Lande

neu ergrünt.


Für besonders Neugierige werde ich in nächster Zeit in meinem Mygall le-Mag etwas einstellen.


Hast du ein Motto, ein Zitat oder eine Philosophie die dich besonders beeinflusst?

Einfach leben! Wirklich leben! Wie ich es schon für das Bild "Homo Beatus" ausgedrückt habe. Das Leben wäre einfach, für manche vielleicht etwas unsicherer ohne unsere überhoch aufgerichteten Gemeinschafts-Barrieren. Vielleicht sollten wir auch mehr an ewig Gültiges denken? 

 

Vielen Dank für das Interview!